Deutscher bastelt MC-Laren aus 956.000 Zündern
Michael Arndt beherbergt in seiner Wohnung einen McLaren Mercedes in Originalgröße. Der Formel-1-Rennwagen ist allerdings nichts für heißen Asphalt und große Geschwindigkeit.
Arndt ist wohl der einzige Deutsche, der behaupten kann, einen Rennwagen in Originalgröße in seinem Wohnzimmer stehen zu haben. Aber der Bastler hat sich diese Ehre redlich verdient. Immerhin arbeitete der 40-Jährige seit Anfang 2002 an der Replik eines McLaren 4/14.
Das Fahrzeug besteht aus insgesamt 956 000 Streichhölzern und ist in sechseinhalb Jahren Bauzeit entstanden. Der 40 Jahre alte Hannoveraner hat den Rennwagen selbst gefertigt und kann ihn in 45 Einzelteile zerlegen. Natürlich kann er sich auch wie ein Rennfahrer hineinsetzen. Was andere schnell zum Wahnsinn treiben würde – das akribische Aneinanderreihen der dünnen Hölzchen, bedeutet für den Mitarbeiter des städtischen Tiefbauamtes Entspannung und Erholung.
«Jeden Tag nach der Arbeit und auch oft am Wochenende setze ich mich für ein bis zwei Stunden hin und baue», sagt Arndt. Als Vorlage für den McLaren Mercedes dienten ihm ein kleines Modell sowie Fotos. «Mit den Rädern habe ich angefangen, auf einem großen Schreibtisch», erinnert sich der Baumeister. Allein zwei Jahre benötigte er für die vier Reifen – und 200 000 Streichhölzer. Nach und nach entstand der Rennwagen, der 4,70 Meter lang und 1,50 Meter breit ist und rund 250 Kilogramm wiegt. 1686 Tuben Hartkleber stecken außerdem in dem Fahrzeug. «Meine Freunde konnten sich das gar nicht vorstellen und haben gesagt, ich sei verrückt», berichtet der Formel-1-Fan lachend.
Der Rennwagen ist allerdings nicht sein erstes Streichholzwerk: Eine kleine Diesellokomotive, eine Dampflok, das hannoversche Rathaus, das Hermannsdenkmal und Schloss Neuschwanstein stehen auf Holzplatten im Wohnzimmer. Seit 1983 arbeitet Arndt mit den Hölzern. «Die Überlegung, selbst etwas zu konstruieren – das reizt mich. Ich arbeite nicht gern nach genauen Bauplänen», betont der Hannoveraner. Damit er seine Kunstwerke jedoch dem Original nachbauen kann, hat er sich vom Rathaus und Schloss Neuschwanstein die Hochbaupläne schicken lassen. Das Umsetzen sei eine ziemliche Tüftelei, verrät Arndt – der besondere Spaß eben.
Unterstützung erhält er von seiner Familie. Sein Vater hat ein Fallbeil für die Streichhölzer konstruiert und gebaut. Damit werden die Köpfe abgeschlagen. Und dann müssen die Hölzer zu je 50 Stück gebündelt werden, damit der Baumeister genau weiß, wie viele Stäbchen er verwendet hat. Dabei hilft ihm auch manchmal seine Freundin, doch für das Bauen selbst kann sie sich nicht begeistern. Zeit, gemeinsam schwimmen zu gehen und Fahrrad zu fahren bleibe aber noch, betont der 40-Jährige.
Den Rennwagen will er jetzt verkaufen, weil er kaum noch Platz im Wohnzimmer hat. Und er baut schon am nächsten, kleineren Modell: von der berühmten Rialto-Brücke in Venedig. Sechseinhalb Jahre soll es aber dieses Mal nicht dauern.