Zündhölzer – Streichhölzer

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Lokomotiven aus zigtausend Streichhölzern

Mehr als 70 000 Streichhölzer mussten in Klaus-Dieter Degenhardts Arbeitszimmer dran glauben. Der Rentner aus Wendeburg köpfte sie und zauberte aus dem Rest wahre Kunstwerke. Aus all den kleinen Holzstückchen entstanden detailgetreue Lokomotiven.

Ein Streichholz ist eigentlich unsichtbar. Ein Gegenstand, den niemand so richtig wahrnimmt. Einmal angezündet, ist er nutzlos – und Feuerzeuge haben ihn vollends überflüssig gemacht.

Bei Klaus-Dieter Degenhardt ist das anders: Bei ihm entstehen aus Tausenden von Streichhölzern unglaubliche Kunstwerke.

Ein Hobby, das viel Fingerspitzengefühl erfordert – und das der 70-jährige Klaus-Dieter Degenhardt besitzt.

Seit seinem achten Lebensjahr spielte er mit Metallbaukästen. 1961 entdeckte er die Bastelei mit Streichhölzern. Selbst Räder kann er mit den winzigen Holzstücken herstellen, indem er die Streichhölzer erst mit Wasser tränkt und dann in Kreisform presst. Bis eine Lokomotive fertig ist, vergehen bis zu 500 Stunden. Das Besondere: Klaus-Dieter Degenhardt hat Muskelschwund und sitzt im Rollstuhl. Seit dem Jugendalter lebt der Wendeburger mit seiner Krankheit. Trotz Muskelschwäche hielt er aber immer an seinem Hobby fest. “Aufgeben würde ich diese Arbeit nicht”, sagt er. Streichholz-Lokomotiven kann er jedoch nicht mehr bauen. Seine Handgelenke haben nicht mehr genügend Kraft. Eine Säge zu halten, ist für Degenhardt mittlerweile unmöglich geworden.

Nun ist er zurückgekehrt zu seinem ursprünglichen Hobby – er bastelt Autos, Krane und Loks aus Metall. “Das ist leichter für mich”, sagt er. Und mit dem Metallbaukasten hat er in Zukunft eine Menge vor. “Ich habe noch 50 Kilo Material im Haus”, sagt er. “Das werde ich alles verbauen.”

Im Werkraum des Wendezellers sind diese Kunstwerke zu sehen: Lokomotiven, gebastelt aus Streichhölzern, ohne jegliches anderes Material. Detailgetreu bis ins Letzte: Die kleinen Räder drehen sich, jeder Schlauch, jedes Scharnier ist zu erkennen. Eins ist klar: Klaus-Dieter Degenhardt geht auf in seinem Hobby.

Angefangen hatte seinen Leidenschaft, als Degenhardt acht Jahre alt war. Damals schenkte ihm seine Mutter einen Metallbaukasten. “Da hat mich der Virus gepackt”, sagt der 70-Jährige.

Er konstruierte Krane, Autos und eben Lokomotiven. Von seinem ersten Gehalt als Technischer Zeichner kaufte er sich einen großen Metallbaukasten.

1961, auf einer Kur, sah er in einem Film, wie aus Streichhölzern ein Rathaus gebaut wurde. Fasziniert davon, fing er mit der Arbeit zuhause an. “Dafür braucht man Gefühl”, sagt Degenhardt. “Nicht alle Streichhölzer sind geeignet. Sie müssen quadratisch sein. Krumme und windschiefe kann ich nicht gebrauchen.” Jeden Handgriff hat er bei seiner Arbeit dokumentiert. Für eine Dampflokomotive hat er zum Beispiel 11700 Streichhölzer verbaut – in insgesamt 420 Stunden. Ein Hobby, das Zeit kostet und vor allem Fingerfertigkeit.

Weil Klaus-Dieter Degenhardt seit Jahren an Muskelschwäche leidet und im Rollstuhl sitzt, kann er heutzutage keine neuen Streichholzloks mehr bauen. Seine schwachen Gelenke können keine Laubsäge mehr halten.

Aber mit dem Basteln aufhören? Das kommt für den Rentner nicht in Frage. Er hat sich wieder seinem ursprünglichen Hobby, dem Metallbaukasten zugewandt. Damit baut er weitere Loks, aber auch Dampfmaschinen, Autos und Krane. Das ist einfacher, als mit den kleinen Streichhölzern zu hantieren. “Ich könnte mich auch mit der Krankheit abfinden und nur noch auf die Fernbedienung für den Fernseher tippen”, sagt Degenhardt. “Aber das ist nicht meine Sache.”

Nein, ganz und gar nicht. Gerne tauscht Degenhardt sich auch mit Hobby-Kollegen aus. Der Wendezeller ist im Freundeskreis Metallbaukasten. Regelmäßig nimmt er an Treffen teil. Das nächste findet am kommenden Samstag, 17. Oktober, in Bebra-Weiterode in Hessen statt. Eine große Unterstützung ist Degenhardts Frau Vera. “Sie spielt Kran‘ für mich”, sagt er und lacht. “Sie stapelt die von mir gebastelten Baugruppen übereinander, weil mir dazu die Kraft fehlt.”

Seine Werke sind im Internet unter www.streichholzmodelle.de zu sehen.

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