Ausgebrannt: Zündholzhersteller stellt Produktion in Tschechien ein
Starke Krone und hohe Materialkosten führen zu Produktionsverlagerung ins Ausland
In Tschechien wird nach 169 Jahren die Herstellung von Zündhölzern eingestellt. Der letzte Erzeuger, die Firma Solo im westböhmischen Susice, will die Produktion per Jahresende nach Asien verlagern. Der Standort in Tschechien wird künftig nur noch als Importeur tätig sein, berichteten die tschechischen Zeitungen am Mittwoch.
Als Grund für die Einstellung der Produktion in Tschechien gibt das Unternehmen zu hohe Produktionskosten an sowie die Aufwertung der tschechischen Krone gegenüber dem Euro und dem US-Dollar. Dadurch seien die Zündhölzer aus Susice auf den internationalen Märkten schwer zu verkaufen, besonders angesichts der Konkurrenz aus Indien, China und Pakistan. Außerdem gehe der Verbrauch von Streichhölzern in Europa zurück, so der Direktor von Solo, Veroslav Puchinger.
In den letzten drei Jahren wurde die Produktion bereits zurückgefahren und die Anzahl der Mitarbeiter halbiert. Von den derzeit 83 Beschäftigten werden 55 ihre Arbeit verlieren. 2007 exportierte Solo 400 Millionen Schachteln Zündhölzer – um ein Fünftel weniger als im Vorjahr.
Lange Tradition
Die Streichholz-Produktion hat in Susice eine lange Tradition. Begonnen hatte damit im Jahr 1839 der Tischler Vojtech Scheinost nach seiner Rückkehr aus Wien. Aus dem kleinen Betrieb wurde später mit Hilfe des Kaufmanns Bernard Fürth eine Fabrik.
Solo ist nicht das einzige Unternehmen, das wegen der starken Krone und der gestiegenen Produktionskosten seine Tätigkeit in Tschechien einstellt. Auch die Glasfabriken im mittelböhmischen Podebrady und Svetla nad Sazavou werden geschlossen. Andere Unternehmen, darunter auch der Paradebetrieb Skoda-Auto, fahren ihre Produktion zurück.
Nach Angaben des Unternehmenssprechers Jiří Janoušek wurde dem Traditionsunternehmen vor allem die starke tschechische Krone zum Verhängnis, denn etwa 85 Prozent der Produktion gingen in den Export. Als weitere Gründe, die die Zündholzpoduktion in Tschechien in jüngster Zeit unrentabel werden ließen, nennt Janoušek den starken Anstieg der Preise für Energie, Holz und Chemikalien. In welchem Land das Unternehmen künfitig seine Zündhölzer produzieren wird, sei noch nicht entschieden. Die Marke Solo werde aber erhalten.
Das Unternehmen wird derzeit in eine Handelsgesellschaft transformiert, die sich auf den Verkauf von Zündhölzern konzentriert. In diesem Bereich sollen 28 Angestellte weiter beschäftigt werden, so Janoušek. Die Produktion von Zündhölzern in dem Werk in Sušice begann schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.